Predigt-Nachlese: Lernen von Barnabas

Früher wurden Leute manchmal umbenannt, wenn sie einen hervorstechenden Wesenszug hatten. So geschah es Josef, einem Mann aus dem Stamm Levi, aus Zypern gebürtig. Er erhielt von den Aposteln den Beinamen Barnabas, was bedeutet: Einer, der andere ermutigt und aufrichtet. Wie er das tat, davon können wir lernen, wenn wir auch solche Menschen werden wollen.

  • Barnabas besaß ein Grundstück in Jerusalem. Israeliten, die im Ausland lebten, hatten gerne etwas Land in Jerusalem, weil sie dort begraben werden wollten, um bei der Ankunft des Messias gleich am richtigen Platz zu sein, wenn die Auferstehung stattfände. So einen Besitz veräußerte man eigentlich nicht, aber Barnabas tat es, als er die Bedürftigkeit der ärmeren Glaubensgeschwister in Jerusalem sah. Er bekannte damit auch, dass für ihn der Messias schon gekommen und die Hoffnung Israels erfüllt war. Den Erlös übergab er den Aposteln zur Verteilung. Was für eine Ermutigung für diejenigen in der Gemeinde, die zur weniger wohlhabenden Randgruppe der Gesellschaft gehörten! In der Familie Gottes werden Nöte wahrgenommen und mit Fürsorge und Liebe beantwortet – das zeigten ihnen Barnabas und die anderen Gläubigen, die es ihm gleich taten. Wenn wir Not sehen – wie reagieren wir? Sind wir auch bereit, durch großzügiges Geben anderen Mut zu machen?
  • Als nach dem Tod von Stephanus in Jerusalem die Verfolgung begann, zerstreuten sich die Christen, aber wo immer sie hinkamen, verkündigten sie die gute Botschaft. Im Allgemeinen sprachen sie dabei nur mit anderen Juden, aber in Antiochia gab es einige, die anfingen, den Griechen zu predigen. Eine große Anzahl kam zum Glauben. Als die Jerusalemer Gemeinde davon erfuhr, beauftragten sie Barnabas, dorthin zu reisen, und sich die Sache mal anzusehen. Schließlich war dort nie ein Apostel gewesen! Barnabas erkannte ganz klar, dass Gott selbst hier an der Arbeit gewesen war. Er war nicht defizitorientiert und suchte nach Fehlern, sondern freute sich über die Gnade, die diesen Geschwistern zuteil geworden war. Über ihn wird gesagt: Er war ein guter Mann – sein Herz war weit und groß. Er war voll Heiligen Geistes und Glauben – er traute Gott etwas zu in Bezug auf diese jungen Christen und förderte sie in dem, was Gott bei ihnen angefangen hatte. Können wir uns auch freuen, wenn Gott (ohne uns) etwas tut? Sehen wir das Positive und bestärken es? Oder sind wir kritisch und pessimistisch?
  • Auch in Bezug auf Einzelpersonen hatte Barnabas ein gutes Auge für das Potential, das Gott in jemand hineingelegt hatte. Als Paulus nach seiner Bekehrung nach Jerusalem kam, traute ihm niemand so recht über den Weg; selbst die Apostel hatten Angst vor ihm. Aber Barnabas sah, dass Gott wirklich etwas im Leben dieses Mannes verändert hatte und vermittelte den Kontakt. Er erkannte, dass Paulus von Gott berufen und begabt war, und als das Werk in Antiochia wuchs, holte er ihn dorthin (er war inzwischen in Tarsus), um mitzuarbeiten. Ein ganzes Jahr evangelisierten und lehrten sie dort, dann machten sie einen Besuch in Jerusalem, um den Gläubigen dort die finanzielle Hilfeleistung der Christen aus Antiochia zu überbringen. Nach ihrer Rückkehr wurden sie dann auf ihre erste Missionsreise gesandt. War dabei Barnabas am Anfang mehr die führende Persönlichkeit, so trat im Lauf der Zeit Paulus immer mehr in den Vordergrund. Sind wir auch bereit, Talente zu heben und zu fördern mit dem Ziel, dass sie uns irgendwann überholen? Oder kleben wir an unserer Position?
  • Über einen ihrer Mitarbeiter haben Paulus und Barnabas sich später vorübergehend so entzweit, dass sie die Zusammenarbeit aufgaben. Es ging um Johannes Markus, der zur Unterstützung mit auf die erste Missionsreise gezogen war und aus irgendeinem ungenannten Grund  schlapp machte und aufgab. In den Augen von Paulus hatte er sich nicht bewährt; er wollte ihn daher nicht mehr mitnehmen, Barnabas dagegen wollte ihm noch einmal eine Chance geben. Er sah trotz seines Versagens noch Potential bei ihm und machte sich allein mit ihm auf den Weg. Und er behielt Recht damit. Später bittet Paulus den Timotheus: “Wenn du kommst, bring Markus mit, denn ich könnte ihn hier gut gebrauchen.” (2.Timotheus 4,12) und Petrus entwickelt zu ihm ein besonders enges Verhältnis. Aus der außerbiblischen patristischen Literatur erfahren wir, dass das Markusevangelium aufgrund der Informationen verfasst wurde, die Markus von Petrus bekommen hat. Geben wir Versagern noch einmal eine Chance? Investieren wir uns in das Leben der nächsten Generation, um sie zu Multiplikatoren zu machen? All das können wir von Barnabas lernen, um solche zu werden, die in der Kraft des Heiligen Geistes mit einem weiten Herzen trösten, ermutigen, Chancen geben, fördern und unsere eigenen Interessen dafür aufgeben.

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