O du fröhliche, o du selige …

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O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit singen wir alle Jahre wieder. Dieses Jahr ist manchen das Herz schwer, weil die üblichen fröhlichen und seligen Gefühle sich nicht so recht einstellen wollen mit Pandemie und Kontaktbeschränkungen. Aber ist die romantische und trauliche Stimmung, die wir mit Advent verbinden, überhaupt das, was einen Christen fröhlich und selig macht?

Christliche Freude ist irgendwie ein paradoxes Ding. Da geht in der Weihnachtsnacht ein gewaltiger Jubelgesang los. Aber ist der überhaupt angebracht? Etwas mehr als 30 Jahre später wird dieses Kind unter der grausamsten Folter sterben, die Menschen sich erdacht haben. Ist diese Freude nicht einfach ein gewaltiger Irrtum?

Und von einer merkwürdigen Seligkeit sprach dieser Jesus. Die Armen im Geist, die Trauernden, die Verfolgten und Verleumdeten, die Unmündigen, die, die auf ihr Recht verzichten, die Gebenden, die Barmherzigen, ja, man könnte sagen, die Verlierer dieser Welt spricht er selig. Gehören wir zur Zielgruppe? Und: Wollen wir diese Seligkeit? Oder denken wir bei Seligkeit eher an Gänsebraten, Tannenbaum, Familie, Netflix und Amazon-Gutscheine?

Hast du schon mal darüber nachgedacht, warum überhaupt dieses Kind geboren ist? “Welt war verloren, Christ ist geboren”, geht es in diesem alten Weihnachtslied weiter. Siehst du dich denn als verloren an? Was ist damit überhaupt gemeint? Wer verloren ist, der ist hoffnungslos. Der weiß, dass er die Beziehung zu Gott verspielt hat durch seine eigene Schuld. Der ist, wie Jesus sagt, arm im Geist,d.h. er hat nichts vorzuweisen, womit er sich die Gunst Gottes und den Himmel verdienen könnte. Der hat erkannt, dass das ganze Wesen dieser Welt hohl und leer ist, dass Besitz, Lust, Anerkennung das Loch in seinem Herzen nicht füllen können. Und in seine Traurigkeit, seinen Hunger und Durst nach Echtem und Reinem hinein sagt Jesus: Selig die Trauernden … selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Und alles, was sie tun müssen, ist zu IHM zu kommen. Er wäscht die Sünde ab, er sättigt, er tröstet. Er verspricht uns kein leichtes und erfolgreiches Leben, sondern eins mit Kreuz und Verfolgung und Verzicht und Selbstverleugnung, aber ein seliges Leben, ein Glück, das die Welt nicht kennt, Beziehung zu seinem und unserem Vater im Himmel und eine ewige Heimat. Und dann ist jede Zeit im Jahr fröhlich, selig, gnadenbringend, und Traulichkeit und Kerzenschein und Familie kannst du zwar haben, aber die “Seligkeit” ist nicht davon abhängig.

Lesenswerte Artikel im Netz

lesenswert nov 20

Der Psalm 91 wurde in letzter Zeit sehr viel zitiert. Was bedeutet es, wenn Gott uns verspricht, dass uns kein Unglück begegnen wird? Heißt das, das Christen gegen Leid und Katastrophen und Pandemien immun sind? Wie passt das zusammen mit anderen Bibelversen, die von Leid, Bedrängnis und Verfolgung sprechen? Mit dieser Frage befasst sich dieser Artikel von John Piper.

Mehr Toleranz oder mehr Konsens? Was dient der Einheit? Dr.Markus Till hat seine Gedanken dazu bei der Leiterkonsultation des Netzwerks Bibel und Bekenntnis dargelegt. Ein wichtiger Artikel, der zeigt, dass die Bezeichnung “evangelikal”  nicht mehr ausreicht, um unsere Einheit in Christus zu begründen. Der Liberalismus hat längst mitten unter uns Fuß gefasst. Es ist Zeit, aufzuwachen und zur Grundlage christlicher Einheit zurückzukehren.

Livestream-Gottesdienste sind besser als nichts, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, aber wir sollten a) richtig – nicht wie Konsumenten – damit umgehen und uns b) das Unbehagen bewahren und uns nicht häuslich darin einrichten. Kai Soltau hat einen offenen Brief an seine Gemeinde verfasst. Auch wenn unsere Situation im Moment nicht so restriktiv ist wie in Österreich durchaus bedenkenswert. Und besonders liegt mir persönlich sein Schluss am Herzen: “Ich höre von so vielen Gemeinden, die sich wegen der Entscheidungen, die zur Zeit getroffen werden, gespalten haben. Brüder und Schwestern, dies ist keine Zeit in der Gemeinde zu kämpfen. Dies ist nicht die Zeit für Stolz. Dies ist die Zeit für das Gebet. Dies ist die Zeit für die Einheit.”

Lebst du ein revolutionäres Leben?  Rahel Fröse will uns ermutigen, unsere Identität nicht in Erfolg, Karriere und Materialismus zu finden, sondern in Jesus und der Zugehörigkeit zu ihm.

Wie kann man für ein glückliches Alter vorsorgen?

Mindmap AlterVor ein paar Wochen habe ich mal darüber nachgedacht, was ich jüngeren Menschen als “Altersvorsorge” empfehlen könnte und mir eine Mindmap dazu gezeichnet (die sicher ergänzungsbedürftig ist). Ich selbst bin jetzt 67 Jahre – ob das schon alt ist oder erst “älter”, darüber lässt sich streiten. 20 Jahre mehr oder weniger machen natürlich noch mal einen riesigen Unterschied. Ich bin also selbst auch noch mitten in diesem Vorsorgeprozess: Auf der einen Seite habe ich mit dem Arbeitsleben schon abgeschlossen, habe mehr Zeit zur freien Verfügung, aber auch weniger Einkommen, auf der anderen könnten unter Umständen noch härtere Jahre mit vielen Einschränkungen und Beschwerden vor mir liegen, die noch mal ganz andere Herausforderungen mit sich bringen. Das Leben verlangt von uns ständige Anpassung, und das Lernen geistlicher Lektionen hört nicht auf.

Ich erinnere mich sehr gut, wie ich als junge Frau ältere Rentner-Paare beobachtete: Skiurlaub, Kreuzfahrten, Reisen, Ausgehen … endlich konnte man all die Dinge machen, von denen man immer geträumt hatte, ohne Terminverpflichtungen, ohne Kinder im Gepäck … und ich dachte: So möchte ich nie leben, nur fürs Vergnügen. Wie arm und leer ist das doch! Ich möchte für die Ewigkeit leben, für etwas, was Sinn macht über dieses Leben hinaus, für andere, für Gottes Reich.

Aber man kann damit nicht urplötzlich anfangen, wenn man in Rente geht. Zwar hat man jetzt mehr Freiheit und Zeit, was neue Möglichkeiten eröffnet. Aber die Haltungen und Einstellungen, die dann beim Neu-Einrichten dienlich sind, muss man schon Jahre vorher eingeübt haben. Dann fällt man auch nicht in ein Loch.

Wichtig ist, dass ich mein Lebensziel klar definiert habe. Das ist übrigens für Christen in jedem Lebensalter dasselbe, nur kommt man ihm zeitlich immer näher. Im allgemeinen Rahmen dieses Lebenszieles muss ich  meinen situationsspezifischen Auftrag erkennen. Der ist unterschiedlich, je nachdem ob ich z.B. alt oder jung, Frau oder Mann, frei oder gebunden bin und was meine Gaben sind. Als Ältere haben wir den Auftrag, in die Jüngeren zu investieren, sie zu beraten, sie für die Staffelübergabe vorzubereiten. Wir haben die Gelegenheit zu zeigen, wie man Schwachheit annimmt, Geduld übt oder fröhlich und nicht erst notgedrungen als beleidigte Leberwurst zurücktritt, um den Jüngeren Platz zu machen.

Im Alter wird die natürliche Lebensenergie und Kraft weniger, die Falten mehr, die Haare dünner, die Augen schwächer, und auch wenn uns unser Gesundheitssystem viele Hilfen bietet, so ist dieser Prozess doch im Wesentlichen unumkehrbar. Deswegen sollte er mit Würde angenommen werden. Graue Haare sind keine Schande, sondern eine Ehre.

Ist das auch unausweichlich, so sollte doch unsere geistliche Kraft nicht abnehmen. Die Bibel verheißt denen, die dem Herrn nahe sind, dass sie auch im Alter noch “saftvoll und grün” sein werden. Ja, in gewisser Weise können sie noch “grüner” werden; Früchte der Gemeinschaft mit dem Herrn, deren Ansätze schon früher gepflegt wurden, können sich jetzt so richtig entfalten und reifen. Für Gebet  und die Beschäftigung mit Gottes Wort steht uns mehr Zeit zur Verfügung, für den seelsorgerlichen Dienst an anderen haben wir unschätzbare Lebens- und Glaubenserfahrung gesammelt. Wenn es gut gelaufen ist, sind die scharfen Kanten unseres Charakters ein bisschen rundgeschliffen worden, während unser geistliches Unterscheidungsvermögen durch Schriftkenntnis und Kenntnis unseres eigenen Herzens gewachsen ist, so dass wir die Wahrheit in Liebe sprechen können.

Wir haben hoffentlich gelernt, unerfüllte Träume ohne Bitterkeit zu begraben. Mich erleichtert es dabei so sehr, dass ich nicht alles in diesem Leben haben muss. Wer in der Ewigkeit verankert ist, kommt nie zu kurz – es kommen ja noch Herrlichkeiten, gegen die alle Herrlichkeiten dieser Erde verblassen. Wir müssen uns am Ende nicht selbst verwirklicht haben, um ohne Bedauern zu gehen, denn die Ewigkeit wird voller Entfaltungsmöglichkeiten sein, die man hier niemals finden kann. Ich muss nicht überall gewesen sein und alles gesehen haben, denn Gott hält für mich bereit, was kein Ohr gehört und kein Auge gesehen hat.

Das heißt aber nicht, dass wir faul sein dürfen. Dieses irdische Leben ist einzigartig in seiner Bedeutung: Nur jetzt können wir Jesus auf seinem Weg des Kreuzes nachfolgen, nur jetzt das Evangelium weitergeben und durch Dienen und Geben Schätze und Lohn im Himmel sammeln. Deswegen gilt bis zum Schluss: Kauft die Zeit aus!

Herr, lass mich den Lauf mit Freuden vollenden! Wenn auch der äußere Mensch verfällt, erneuere mich innerlich Tag für Tag! Lass mich jeden Morgen hören, wie ein Jünger hört, damit ich mit meinen Worten Müde aufrichten kann. Lass mich  brennend im Geist und im Dienst nicht nachlässig sein und dem Ziel der Berufung Gottes nach oben  unverwandt  bis zum Schluss nachjagen.

Warum ich die Gemeinde liebe–Säule und Grundfeste der Wahrheit

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In dieser Welt ist die Gemeinde ein Stützpunkt des Reiches Gottes.

Die Welt, so sagt es die Bibel, ordnet sich einem anderen König unter, und lehnt Jesus ab. Sie folgt damit Satan, der gegen Gott rebelliert, und geht dem Untergang entgegen. Gott wartet noch, weil er möchte, dass noch viele zu ihm umkehren, aber der Tag wird kommen, wo er die Welt richtet.

Die Gemeinde Gottes hat Jesus als Herrn und Oberhaupt. Die Gemeinde ist der Platz in dieser Welt, wo er hochgehalten, verehrt und angebetet wird. Auch wenn das oft sehr schwach und alles andere als perfekt ist, freut es doch das Herz Gottes. In der Offenbarung lesen wir, dass unsere Gebete wie ein Räucherwerk zu Gott aufsteigen. Wir können uns kaum vorstellen, was es für Gott bedeutet, wie sehr es ihm gefällt, wenn auf dieser gottfeindlichen Erde Menschen das tun, was im Himmel allezeit geschieht, nämlich den Vater und den Sohn anbeten und sich ihm von Herzen und in Liebe und Dankbarkeit unterordnen.

Das ist die Gott zugewandte Seite. Und dann hat die Gemeinde noch eine den Menschen zugewandte Seite: Sie ist in dieser Welt das Bollwerk der Wahrheit. Sie verkündigt den Menschen die Einladung Gottes. Sie zeigt ihnen seine Wesensart, seine Liebe, seine Heiligkeit, seine Barmherzigkeit, seine Klarheit, sein Licht. Sie bringt sein Wort unter die Leute, damit noch mehr Menschen umkehren und dieser Gemeinde zugefügt werden.

Deswegen sagt Paulus, die Gemeinde sei das Haus Gottes und Säule und Grundfeste der Wahrheit. Wenn wir uns dann unsere Gemeinde vor Ort anschauen, sind wir manchmal verzagt, weil wir merken, dass wir Jesus nicht so repräsentieren, wie wir sollten, und oft versagen. Aber wir strecken uns danach aus, zu werden, was wir in Gottes Augen sind.

Deshalb liebe ich die Gemeinde. Ich freue mich, ein Teil dieses Bollwerks der Wahrheit zu sein. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit, gemeinsam mit anderen diesen Stützpunkt des Reiches Gottes aufrecht zu erhalten und Gottes Wahrheit zu verkündigen und zu feiern.

Die Gemeinde ist ein Ableger des Himmels auf der Erde. Das ist eine Identität und ein Privileg, aber natürlich auch eine Verantwortung: auf der einen Seite die Zusammenkünfte der Gemeinde nicht zu vernachlässigen und uns in der Gemeinde nach den Standards des Himmels zu benehmen, und auf der anderen Seite für diese Welt zu beten und ihr mit Gottes Liebe zu dienen und die Wahrheit zu bringen.

Warum ich die Gemeinde liebe – meine Familie und mein Volk

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Ehe ich erkläre, warum ich die Gemeinde liebe, muss ich vielleicht eine kleine Definition versuchen. “Gemeinde” oder “Kirche” ist die Übersetzung des griechischen Wortes ekklesia, was man mit einer Versammlung von Heraus- oder Zusammengerufenenen übersetzen könnte. Es geht also nicht um eine Institution, einen Verein, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder gar ein Gebäude. Wer hat sie heraus – und zusammengerufen? Der lebendige Gott durch Jesus Christus! Zur Gemeinde gehören also die, die diesen Ruf gehört haben und gekommen sind. Und wenn sie herausgerufen sind – was haben sie verlassen? Sie haben die Welt verlassen, nicht physisch, nicht, indem sie alle natürlichen Beziehungen aufgegeben haben, sondern indem sie den Herrn gewechselt haben. Der Gott dieser Welt ist Satan, der Feind Gottes. Er bringt die Menschen dazu, die Sünde zu lieben und zu leben. Die, die zur Gemeinde gehören, haben dagegen das Evangelium als Wahrheit und Jesus als Herrn anerkannt und wollen ihm folgen. Ihre Herzen wurden gereinigt durch die Wahrheit des Wortes Gottes und das Blut Jesu; sie sehen sich als die Sünder, die sie sind, und haben die Ausflüchte aufgegeben und die Vergebung dankbar angenommen.

Von dieser Gemeinde also spricht die Bibel, nicht von einer Institution, die mit weit offenen Armen jeden integriert, egal, wen er als seinen Gott ansieht, egal, wie sehr er an seinem sündigen Lebensstil festhalten will. (Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass wir als Christen nicht mehr sündigen, sondern dass wir die Sünde bekennen und loswerden wollen.)

Nun sind wir ja noch nicht im Himmel, sondern auf dieser Erde, und hier ist auch der Platz, wo wir zusammenkommen. Und so sind wir, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, eine sehr menschliche bunte Mischung mit allen möglichen Ansichten, mit Schwächen und Absonderlichkeiten, mit verschiedenen kulturellen Prägungen. Da sind solche, die gerade ihre ersten Schritte machen und altgediente Glaubensveteranen, solche, die im Glauben schwach und wackelig und solche, die stark sind. Aber aus welchen Völkern und Ethnien, sozialen Schichten, Bildungsgraden und sonstigen Gegebenheiten wir auch kommen – wir sind ein Volk, und wir sind eine Familie. Wir haben ein himmlisches Bürgerrecht, das alle anderen Bürgerrechte überstrahlt und den Ausschlag gibt.

Das ganze Neue Testament ist voll von Anweisungen und Ermahnungen, die das Zusammenleben dieser bunten Mischung möglich machen: Vergebt einander, ertragt einander, nehmt Rücksicht auf das Gewissen des anderen, ordnet euch den Leitern unter, singt zusammen, dient einander, hört zusammen auf Gottes Wort, ermutigt einander, ermahnt einander, seid demütig, nehmt den anderen wichtiger als euch selbst, bekennt einander eure Sünden usw. usw. Gott hat kein größeres Anliegen, als dass wir uns untereinander lieben.

Und dieses neue Leben, das von Gott in uns gelegt wurde, das erkennen wir in dem anderen, und das zieht sich gegenseitig an. Je näher wir bei Jesus sind, desto attraktiver werden wir füreinander. Deswegen zieht es Christen fast unwiderstehlich in die Gemeinschaft, deswegen ist es irgendwie jedes Mal ein Fest, wenn wir zusammenkommen. Denn in gewisser Weise sind wir hier “Ausländer”; wir passen nicht mehr so richtig hin in diese Welt – viele von uns werden je nach Umfeld auch knallhart verfolgt. Was für ein Trost, dann solche zu haben, in denen ich die Züge meines himmlischen Vaters erkenne und mit denen ich durch Jesus in einer ganz besonderen Weise “blutsverwandt” bin .