Das schwierige Hier und Jetzt und der Blick auf das Ziel

Photo by <a href="https://unsplash.com/@yosef_fxum?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Yosef Futsum</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/goal?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>Ich habe gerade eine Biografie Hudson Taylors gelesen. Was mich am meisten beeindruckt hat – neben dem Glauben dieses Mannes – , war sein großes Durchhaltevermögen trotz all des Widerstandes aus den Reihen seiner Mitgläubigen und der häufigen Machtkämpfe und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Mission. Das alles kann man nur aushalten, wenn man 1. Gott vertraut, dass sich sein Plan trotzdem erfüllt, und 2. einen Blick weit darüber hinaus hat, eine Hoffnung und ein Ziel.

Nun ist mir heute in meiner stillen Zeit das gleiche Motiv wieder begegnet. Ich bin mit meiner Bibellese gerade im Lukasevangelium bei dem letzten Passafest, das Jesus mit seinen Jüngern feiert.

Sie sind die Menschen, die Gott ihm gegeben hat, die er so sehr liebt, in die er Tag und Nacht investiert hat, mit denen er Großes vorhat. Er hat sich von ganzem Herzen danach gesehnt, dieses Passa zum letzten Mal in dieser Welt mit seinen Freunden zu feiern. Er sieht klar, was vor ihm liegt:  die volle Entladung von finsterstem Hass, Verleumdung, falsche Anklage, offener Rechtsbruch, Folter, Tod und Schande. Wenn man jemals Freunde bräuchte, dann jetzt. Er weiß auch, dass einer von ihnen sein Verräter sein wird, aber das weiß er schon länger. Aber nun … fangen diese Freunde, mit denen er gerade versucht hat, über diesen Verrat und seinen Tod zu sprechen, einen Streit an: Wer unter uns ist denn der Wichtigste? Wer ist hier der Chef? Und nachdem Jesus ihnen geduldig und mit Beispiellektion noch einmal erklärt hat, wie sie eigentlich denken und handeln sollten, sagt er ihnen, wo er diese Chaoten in der Zukunft sieht: Auf zwölf Thronen in seinem Reich als Richter über die zwölf Stämme Israels.

Aber im Hier und Jetzt wird Petrus ihn erst mal verleugnen. Diesen Nazarener? Kenn ich nicht. Keine Ahnung, hab ich nichts mit zu tun! Was sagt Jesus ihm? Das wirst du tun, aber du wirst zurückkommen zu mir und deinen Brüdern eine große Hilfe sein.

Dann hat Jesus noch einen großen Kampf auszufechten. Er muss sich gegen seine Angst ganz dem Willen des Vaters übergeben, und auch wenn er das nur allein tun kann, so wäre es doch schön, wenn seine Freunde mit ihm wachen würden. Aber sie sind einfach nur schwache Menschen, sie schaffen es nicht. Die Depression umfängt ihre Seele, und sie flüchten vor der harten und unausweichlichen Realität in den Schlaf, statt sich ihr zu stellen. Sie verstehen nicht, wie man geistlich kämpft, sie verstehen sich nur auf fleischliches Kämpfen, und den Schaden, den Petrus mit seiner “Hilfe” anrichtet, muss Jesus dann auch noch reparieren.

Und ach! ich erkenne mich so sehr selbst in ihnen, und ich erkenne meine Brüder und Schwestern. Wir neigen ja dazu, wenn Leute uns auf die Nerven gehen, ihre Echtheit anzuzweifeln und von “sogenannten Gläubigen” zu sprechen (nur wir sind immer echte Gläubige). Jesus tut das nicht (Judas ist eine Ausnahme). Nein, er verordnet ihnen ein Reich, er betet für den schwachen Petrus, er macht aus Petrus’ blödsinniger Verteidigungsaktion ein Heilungswunder, und er geht seinen Weg geradeaus und allein und liebt sie trotzdem. Er sieht durch alle Offensichtlichkeiten hindurch: Von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen  zur Rechten der Macht Gottes (Lukas 22,69).

In Hebräer 12,1-3 wird uns das Geheimnis des Durchhaltens so beschrieben:

… lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt,  indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.  Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!

Mit Petrus durch die Pandemie

UnbenanntFür letztes Jahr hatte ich mir ein Projekt vorgenommen: Ich wollte den 1.Petrusbrief auswendig lernen. Ein Jahr lang zwei Verse die Woche erschien mir moderat und machbar. Und tatsächlich war es eine tolle Erfahrung – die Anwendungen waren überall gegenwärtig und meine armen Freunde mussten sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Zitate aus dem 1.Petrusbrief anhören.

Was also hab ich von Petrus gelernt? Ein paar Punkte:

1. Was uns lang und überflüssig vorkommt, ist kurz und nötig. Die Schwierigkeiten der Menschen, denen Petrus schrieb, waren anders als unsere. Aber sie hatten auch die Tendenz, sie mürbe zu machen. “Hat das nie ein Ende? Was fällt denen, die am längeren Hebel sitzen, noch alles ein? Wie kann ich so meinen Glauben leben?” Petrus gibt uns eine andere Perspektive. Zweimal, am Anfang (1.Petrus 1,6) und am Ende (1.Petrus 5,10) sagt er, dass es sich nur um einen kurzen Zeitabschnitt handelt, durch den wir durch müssen, weil es nötig ist. Unser Glaube muss auf Echtheit geprüft werden, und danach kommt ewige Herrlichkeit.

2. Die Bruderliebe darf unter der Krise nicht leiden. Sie soll anhaltend sein. Wir dürfen nicht aufgeben, einander zu vergeben und einander zu dienen. Durch unseren Umgang miteinander muss Christus verherrlicht werden. Manchmal bedeutet das, sich wirklich ein Bein auszureißen, um jeden mitzunehmen, der Ängste oder Gewissenskonflikte hat, und  unseren Perfektionismus oder Starrsinn zu opfern. In dieser Pandemie hat der Teufel wirklich viele Ideen entwickelt, um Christen zu spalten, und wir sollten ihm keinen Raum geben. Paulus sagt es so: “Ein Jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das des anderen.

3. Hüte dich vor Lug und Trug und üblem Nachreden. Die Welt strotz vor Lügen. Wir befinden uns in einem satanischen Informationskrieg, der durch die Möglichkeiten des Internets jeden erreicht und verwirrt. Skepsis gegen alle Medien, gleich welcher Couleur, ist sicher angebracht. Als die Pandemie über uns hereinbrach, war ich auch schnell, Partei für bestimmte Sichtweisen zu ergreifen, bis mir auffiel, dass ich Dinge behauptete, die ich nicht wirklich wusste. Ich glaube, es braucht Bescheidenheit, um zuzugeben, dass man nicht in jedem Fall die Wahrheit herausfinden kann. Gott hält manche Sachen unter Verschluss.  Ein bisschen “Ich weiß es nicht” steht uns Sterblichen ganz gut. Gott wird zu seiner Zeit das Verborgene offenbar machen. Wir müssen uns aber davor hüten, Menschen zu verdächtigen und zu beschuldigen und Böses über sie zu reden, wenn wir es nicht sicher wissen (s, auch  1.Petrus 2,1). Das gilt sogar für Politiker.

4. Äußere Freiheit ist überbewertet. Manchmal ist die Bibel gar nicht so leicht zu verkraften. Dass es Sklaven gibt, Menschen, über deren Leib und Leben “Herren” verfügen, scheint für Petrus kein Problem zu sein. Er fordert sie nicht zum Freiheitskampf auf, sondern sagt, sie sollen sich unterordnen. Dasselbe sagt er allen in Bezug auf die Obrigkeit und den Frauen in Bezug auf die Männer. Das stößt uns mit unserem Anspruch auf persönliche Freiheit ganz schön auf. Wir sind es gewohnt, in “Rechten” zu denken. Petrus hält sich damit nicht auf. Wenn man euch Unrecht tut, verherrlicht Christus damit. Eure Freiheit besteht darin, Sklaven Gottes zu sein und Gutes zu tun. Kein Grund zu Aufregung und Aufruhr! Unser äußerer Freiheitsstatus scheint für Gott ziemlich zweitrangig zu sein, und unsere innere Freiheit kann uns niemand nehmen. Und wie äußert die sich? “Erweist jedermann Achtung, liebt die Bruderschaft, fürchtet Gott, ehrt den König!” Da bin ich oft schuldig geworden und übe noch.

5. Demütige dich unter die Hand Gottes. Wir dürfen und müssen unsere Hilflosigkeit eingestehen, und wir können es, weil einer für uns besorgt ist. Ich liebe es, wie die Elberfelder Übersetzung hier das eine mit dem anderen verknüpft:  “Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht zur ⟨rechten⟩ Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch” (1.Petrus 5,6-7). Erst wenn du akzeptierst, dass Gott als liebevoller Vater die Schwierigkeiten in deinem Leben verordnet hat (“weil es nötig ist”) und aufhörst, dagegen zu rebellieren, kannst du deine Sorgen wirklich abgeben.

6. Alles ist Jesus unterworfen. Der Teufel tobt und brüllt und versucht uns einzuschüchtern und durcheinanderzubringen, aber die Macht liegt bei Jesus (1.Petrus 3,22).  Wir sollten keinen Moment glauben, ihm sei irgendetwas entglitten. Wir können ihm inmitten aller Spannungen und Nöte unsere Seelen anbefehlen und dabei das Gute tun.

In the morning when I rise …

… give me JESUS!

silhouette-3275055_1280Vor einiger Zeit habe ich mir vorgenommen, meinen Tag mit einem oder mehreren Lobliedern zu beginnen, um meinen Fokus  gleich richtig zu setzen. Ganz besonders ermutigend finde ich dabei immer wieder die alten und gehaltvollen Lieder von Paul Gerhard, die so reich sind an Wahrheiten, an die man gar nicht oft genug erinnert werden kann. Natürlich gibt es auch neuere gute Jesus-zentrierte Lieder.

Aber gelegentlich möchte ich auch eigene Worte benutzen. Diese Woche hatte ich das Bedürfnis, mal aufzuschreiben, was Jesus alles  für mich ist. Um das bei meinem Morgenlob singen und mich daran freuen zu können, hab ich es ein bisschen “in Form gebracht”.

Du bist mein Schöpfer und der mich erhält.
Ehe die Welt war, hast du mich erwählt.
Du bist mein Retter, mein Erlöser und mein Heil,
du bist mein Erbe und mein ew’ges Teil.

Du, Gottes Liebling und eingeborner Sohn,
du König auf dem allerhöchsten Thron,
du kamst und gabst dich hin als Opferlamm.
Doch bist du Löwe auch aus Judas Stamm.

Du bist mein Arzt, mein Helfer und mein Freund,
hast dich in Fleisch und Blut mit uns vereint,
bist  wahrer Mensch, der uns seine Brüder nennt,
der unsere Schwachheit und Versuchung kennt.

Du bist der Auferstandene in Kraft,
der in uns das ihm Wohlgefällige schafft,
bist Herzenskenner, Hirte, der uns führt,
in uns das Feuer seiner Liebe schürt.

Du hast das Herz des Vaters uns gezeigt,
der sich dem Elenden entgegenneigt,
zu den Zerbrochenen sanftmütig und zart,
doch zu den Stolzen unnachgiebig hart.

Du bist der Richter über diese Welt,
wirst richten, was sich Gott entgegenstellt.
Du bringst die Wahrheit und das Recht ans Licht,
und was sich noch verbirgt, entgeht dir nicht.

Für die Gemeinde hier bist du das Haupt,
der den sie liebt, dem sie vertraut und glaubt,
der Bräutigam, dem sie entgegen geht,
um dessen Kommen sie beständig fleht:

Komm, Herr Jesus, komm!

Langzeitfolgen der Sünde

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Im Moment ist Long Covid in aller Munde. Die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion können den Alltag der Betroffenen weit über die Dauer der eigentlichen Erkrankung erheblich beeinträchtigen.

Auch Sünde hat Langzeitfolgen und kann für die Zeit unseres irdischen Lebens irreparable Schäden verursachen. An David, dem König Israels, kann man das exemplarisch sehen.

David war kein gewohnheitsmäßiger Ehebrecher. Aber es gab einen Moment in seinem Leben, wo er seine Wachsamkeit fallen ließ. Wo die Versuchung mit Langeweile und geistlicher Nachlässigkeit zusammenfiel. Wo er Gott vergaß oder verdrängte, um der Lust nachzugeben. Und so kam es dazu, dass er das Falsche tat und seine Macht und Stellung ausnutzte, um sich die Frau eines anderen zu nehmen. Die Sünde hatte Folgen: Die Frau wurde schwanger. Und wie es oft so ist: Eine Sünde gebiert die andere. Die Schuld muss verdeckt werden. Schließlich hatte er einen Ruf zu verlieren.  Er lässt den Ehemann der Frau von der Front nach Hause kommen, aber egal, ob er ihm gute Worte gibt oder ihn besoffen macht – der Kerl geht einfach nicht nach Hause und schläft mit seiner Frau, damit man ihm das Kind unterschieben kann.

Nun hat David einen alten “Freund” und Getreuen, Joab, den Heerobersten. Joab hat Erfahrung mit Mord, und eigentlich hat David ihm das immer übel genommen. Aber jetzt ist Joab genau der Richtige, auf den man sich verlassen kann und der dichthalten wird. Er gibt ihm den Auftrag, Uria, den Ehemann, an einer Stelle im Kampf zu platzieren, wo er ziemlich sicher stirbt. Er erfindet sozusagen einen strategischen Schachzug extra dafür. Der Erfolg liegt bei 100%. Nicht nur Uria stirbt – es gehen noch ein paar Männer mehr drauf. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Da kann man nichts machen.

Eine Weile ist David voll damit beschäftigt, das Problem zu lösen. Mit Gott kann er nicht darüber reden. Es geht ihm nicht gut. Er kann nicht mehr schlafen. Sein Kompass, der immer auf Gott gezeigt hat, ist kaputt, und er findet die Richtung nicht mehr. Die Gemeinschaft mit Gott ist hin, die Freude ist weg, und er fühlt sich vertrocknet, zerschlagen und leer.

Da greift Gott ein. Nathan, der Prophet kommt zu David, ein Mann, der Mut genug hat, auch einem König die Wahrheit zu sagen. Er legt David einen “Fall” vor. Ein Reicher, der alles hatte, hat einem armen Mann sein einziges Lamm weggenommen, um es zu verzehren. David soll den Fall beurteilen. Auf beiden Augen blind, empört er sich über den Reichen. Das Todesurteil scheint ihm angemessen für so viel Gemeinheit und Machtmissbrauch! Und Nathan sagt: “Du bist der Mann!” Alle seine Untaten sagt er ihm auf den Kopf zu. Und er kündigt ihm die Konsequenzen an: Unglück über sein Haus. Mit seinen Frauen wird ein anderer öffentlich schlafen. Das Schwert wird von seinem Haus nicht weichen.

Und David bricht zusammen. Gott hat ihn in seiner Barmherzigkeit ins Licht gestellt, damit David sieht, was er getan hat. Davids Sündenbekenntnis eröffnet ihm neu den Zugang zu Gott. Gott vergibt ihm und nimmt ihn wieder an. Die Gemeinschaft wird wiederhergestellt. David fühlt, wie die Last von seinen Schultern rollt. Er kann sich wieder in Gott freuen.

Ist nun alles gut? Zwischen David und Gott: ja. Aber die Folgen seiner Sünde muss er dennoch tragen. Als erstes stirbt der Sohn, der durch diese Sünde gezeugt worden ist. Und dann ergießt sich über Davids Leben eine nicht enden wollende Kaskade von familiären Problemen. Einer seiner Söhne vergewaltigt seine Halbschwester. Ihr Bruder Absalom entwickelt einen glühenden Hass gegen den Vergewaltiger, der im Brudermord endet. Der Vater hat keine Strategien, um der Probleme in seiner Familie Herr zu werden. Entfremdung auf allen Seiten, Machtkämpfe und Intrigen. Schließlich vertreibt ihn sein eigener Sohn und schändet Davids Frauen, um den Vater öffentlich zu demütigen. Sein alter “Freund” Joab kämpft einen Kampf für David, den der gar nicht wirklich kämpfen mag, und der mit Absaloms Tod endet. So viele Turbulenzen, so viel Schmerz, Trauer, Leid, Verlust und Bosheit. Aber David weiß, warum das alles passiert, und er lehnt sich nicht dagegen auf. Er hat zwar nichts als Probleme, aber er hat sie sich selbst eingebrockt, und er erlebt, dass Gott ihm in all dem nahe ist und seine Segensversprechen ebenso einlöst wie seine Strafandrohungen.

Wir vertun uns manchmal, indem wir denken, dass Vergebung alle Konsequenzen unserer Sünde auslöscht. Ja, sie stellt die Gemeinschaft mit Gott wieder her. Wir werden das Gericht der ewigen Trennung von Gott nicht erleben. Aber die Schulden, die wir gemacht haben, weil wir so gierig oder verantwortungslos waren, müssen wir abzahlen. Die zerbrochenen Beziehungen werden nicht automatisch wieder hergestellt. Familien sind zerrüttet. Christlicher Dienst wird ruiniert. Gefängnisstrafen für begangene Verbrechen müssen abgesessen werden.  Auch unter der kollektiven Sünde und der Sünde unserer Vorfahren leiden wir. Auch christliche Frauen gebären ihre Kinder unter Schmerzen als Strafe für Evas Sünde. Wir arbeiten oft umsonst, unter Mühe und Frust. Wir leiden mit unter Kriegen  und  Krankheiten und Pandemien und Diktaturen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist Gottes große, unbegreifliche Gnade: inmitten unserer Nöte erleben wir seinen Beistand und seine Hilfe.

Aber wir dürfen Sünde niemals leichtnehmen, weil wir denken: Gott vergibt ja. Ja, das tut er in dem Moment, wo wir unsere Sünde aufrichtig zugeben und bereuen. Aber das hebt nicht alle Konsequenzen auf. Und daran sollten wir am besten vorher denken.

Wer die Geschichte von David in der Bibel nachlesen möchte, der beginne am besten in 2.Samuel 11.

Längere Bibelabschnitte auswendiglernen –Tipps und Tricks

Das Auswendiglernen von längeren Abschnitten oder ganzen Büchern der Bibel hat sich in meinem Leben als ein außerordentlicher Segen erwiesen, den ich jedem anderen auch wünsche. Deswegen möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen, was sich als praktikabel erwiesen hat.

1. Definiere ein realistisches Ziel. Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, den 1.Petrusbrief auswendigzulernen und mir ausgerechnet, dass das etwa zwei Verse pro Woche bedeutet. Das kann auch mein altes Hirn gut leisten, das zudem davon profitiert, den 1.Petrusbrief sowieso schon sehr gut zu kennen, weil ich ihn schon oft gelesen und oft gehört habe. Nachdem ich gemerkt habe, wie gut das klappt, habe ich jetzt noch mal einen Zahn zugelegt.

2. Mach eine Gewohnheit draus. Ich lerne jeden Tag, und ich wiederhole das Gelernte regelmäßig. Anders funktioniert das nicht. Ich habe einen Ablaufplan für einen “normalen” Morgen (Ausnahmen gibt es immer, aber sie müssen Ausnahmen bleiben), in den das Auswendiglernen integriert ist. Ich hake das dann in meinem Habit-Tracker in meinem Kalender ab. Jeder muss schauen, wo das in seinem Tageslauf am besten hinpasst.

3. Einfachste und wirksame Methode: Neue Verse sag ich mir mindestens zehnmal hintereinander auf, aber auf jeden Fall, bis ich sie fehlerfrei aufgesagt habe. Wahrscheinlich habe ich am nächsten Tag schon wieder Fehler drin – dann wiederhole ich dasselbe Spiel. Mehrmals die Woche sage ich den ganzen Abschnitt auf, an dem ich gerade bin.

4. Hartnäckige Verse:  Ab und zu übe ich mit der Remember Me-App, wenn irgendein Vers nicht in den Kopf will.  Da gibt es einige spielerische Übungsmethoden. Aber noch besser klappt es, eine Melodie zu erfinden, den Vers mit der Diktierfunktion des Handys aufzunehmen und dann in Dauerschleife abzuspielen und mitzusingen (z.B. bei der Morgengymnastik). So kriege ich auch die sperrigsten Verse in den Kopf, so dass die manchmal am Ende besser sitzen als alle anderen.

5. Nachdenken: Auswendiglernen ist ja kein Ziel an sich, sondern dient dazu, das Wort Gottes in meinem Herzen zu beheimaten. Es hat meditative Funktionen. Mit Meditation meine ich keine spirituellen Experimente oder Atemübungen oder ähnliches unbiblisches Zeug, sondern ein nachdenkendes Verweilen über der Gesamtaussage und den einzelnen Worten. Und wenn ich dann das  oder die Kapitel im Zusammenhang aufsage, spüre ich dem Gedankenfluss nach und kann die einzelnen Verse in den Kontext einordnen. Es ist wichtig, dass ich verstehe, was ich lerne.

image6. Wiederholen: Zum Wiederholen habe ich mir ein Raster mit fünf Spalten und so viel Zeilen wie notwendig gemacht. In jedes Feld schreibe ich nur die Anfangsbuchstaben der Worte des jeweiligen Verses. Den 5. Vers markiere ich jeweils farbig. Da ich die Bibelstellen nicht mitlerne, bekomme ich trotzdem einen ungefähren Überblick, wieviel Verse ein Kapitel hat, und wo mein Vers sich ungefähr befindet. Das sieht dann  z.B. für die ersten zwei Kapitel des 1.Petrusbriefes aus wie auf dem Foto.

Ganz ab und zu nehme ich mich dann auch mal auf, wenn ich die schon gelernten Kapitel aufsage. Dabei merkt man dann, ob man was auslässt oder sich irgendetwas Falsches eingeschliffen hat.

7. Welche Bibelübersetzung? Nimm die Übersetzung, mit der du auch die Bibel studierst. Die Verse müssen vom Wortlaut her Wiedererkennungswert für dich haben. Ich bin mit der Elberfelder Bibel aufgewachsen. Ihr Wortlaut ist mir vertraut. Würde ich jetzt eine andere Übersetzung verwenden, käme ich nur durcheinander. Es ist unglaublich, aber ich habe bei manchen Versen die Stimme meines Vaters im Ohr! Und bitte, nimm eine gute Bibelübersetzung, die sich bemüht, den Grundtext genau wiederzugeben, damit du auch was davon hast.

8. Kein falscher Ehrgeiz! Ich habe nicht vor, eine Aufführung zu geben, deswegen kann ich mit Unvollkommenheiten leben. Ich bin mir bewusst, dass ich vieles wieder vergessen werde, denn man kann nicht unbeschränkt wiederholen. Das macht aber nichts! ich lerne das jetzt so gut und genau wie möglich. Der Heilige Geist wird es benutzen, um mich zur rechten Zeit daran zu erinnern. Für mich ist es eine Art und Weise zu sagen: Herr, ich liebe dein Wort und schätze es wert! Ich verdiene mir damit keine Punkte.

9. Bete: Ich glaube, dass es dem Herrn gefällt, wenn wir sein Wort auswendiglernen, und dass er uns nur zu gerne dabei helfen wird. Mit dieser Gewissheit können wir nach jedem Scheitern wieder anfangen.

Ich kann dir versprechen: Auswendiglernen wird im Lauf der Zeit leichter. Ich liebe es und hab eigentlich vor, bis zur Demenz damit nicht mehr aufzuhören. In meinem Alter ist es außerdem die beste Hirngymnastik. Ich habe dadurch viele Zusammenhänge besser verstanden. Es “klingelt” noch viel mehr, wenn ich Bibelstellen lese, die mit dem Gelernten in Zusammenhang stehen und hilft mir, die Fäden im Word Wide Web zu verknüpfen.

Und ich würde gerne alle mit meiner Begeisterung anstecken!

Hast du noch andere Tipps und Erfahrungen? Bitte, teile sie uns in den Kommentaren mit.