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“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?” Das Leiden Jesu im Alten Testamnent ((8)

Jesaja53Auf einer einsamen Straße zwischen Jerusalem und Gaza fährt eine Kutsche. Im Wagen sitzt ein dunkelhäutiger Mann, ganz vertieft in eine Buchrolle, aus der er murmelnd liest.  Auf seiner Suche nach Wahrheit ist er auf den Gott Israels gestoßen, und er hat Jerusalem besucht, um ihn anzubeten und mehr zu erfahren. Von dort hat er sich das Buch des Propheten Jesaja mitgebracht.

Er ist der Schatzmeister der Königin von Äthiopien, aber sein Herz ist auf der Suche nach mehr als Karriere und Reichtum. Er hat schon gelernt, dass der Gott Israels Gerechtigkeit und Sünde sehr ernst nimmt. Ständig werden Opfer im Tempel dargebracht, um Sühne zu leisten. Aber wie kann er, ein Heide, fern von israelitischem Boden, mit Gott versöhnt werden und Frieden haben?

Was er nun hier liest, ist interessant. Wenn er nur wüsste, um wen es geht! Da ist von einer Person die Rede, die ihr Leben als Schuldopfer gibt, und von anderen, die dadurch Frieden und Heilung bekommen. Aber wer ist diese Person? Spricht der Prophet hier von sich selber? Dann wäre es eine alte Geschichte … Wie er sich nach diesem Frieden sehnt! Er muss wissen, von wem hier gesprochen wird. Aber er kommt nicht weiter.

Ein Mann ist schon ein paar Meter neben seinem Wagen hergelaufen und hat seinem Lesen zugehört. Jetzt spricht er ihn an: “Verstehst du denn, was du liest?”  “Wie sollte ich, wenn es mir keiner erklärt!” Vielleicht hat dieser Mann Ahnung? Vielleicht hat Gott die Fragen seiner Seele gesehen und ihn geschickt? “Steig doch auf und setz dich zu mir!”  Und ohne weitere Höflichkeiten tauchen sie in den Text ein:

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?”

Die nun folgende Unterhaltung ist rekonstruiert. In der biblischen Geschichte steht nur, dass Philippus – so hieß der 2. Mann – ihm ausgehend von dieser Stelle das Evangelium erklärte. Das mag in etwa so ausgesehen haben:

Ich kenne den, von dem er spricht! Sein Tod hat vor noch nicht allzu langer Zeit Jerusalem erschüttert. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu retten vor dem Zorn Gottes. Er ist der vor langer Zeit verheißene Messias Israels. Er hat all die Wunder und Zeichen des Messias getan: Er hat Lahme und Blinde geheilt, Dämonen ausgetrieben, Brot vermehrt, Stürme gestillt, und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Er hat Sünder angenommen und ihnen vergeben. Aber unsere Obersten hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte über ihre Heuchelei, und weil sie eifersüchtig waren. Sie haben ihn unter falscher Anklage den Römern überliefert und seine Kreuzigung gefordert. Und er hat sich ohne Widerstand verhaften, foltern und töten lassen. Was damals niemand verstand, obwohl er es oft gesagt hatte, war, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wollte. Er ist der, von dem hier die Rede ist: Das Lamm Gottes, das alle anderen Opfer für immer überflüssig macht. An diesem Kreuz hat Gott unser aller Schuld auf ihn gelegt, so wie es hier steht:

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.”

“ Hm. Aber wenn er tot ist, wie kann er dann Nachkommen haben und in die Länge leben und das Licht schauen und all die Dinge, die hier sonst noch stehen? Und wie kann man wissen, dass Gott dieses Opfer angenommen hat?”

“ Ja, das Beste kommt noch! Nachdem er drei Tage im Grab lag – übrigens im Grab eines Reichen, so wie es hier steht! – ist er auferstanden. Er ist danach vielen Menschen erschienen, seinen Jüngern und mehr als 500 glaubwürdigen Zeugen, und er war noch über 40 Tage bei seinen Jüngern und hat sie unterwiesen. Dann ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren. Dort sitzt er jetzt zur Rechten Gottes. Von dort hat er auch allen, die an ihn glauben, den Heiligen Geist geschickt, der eine unerschütterliche Gewissheit in ihr Herz senkt, dass sie Gottes Kinder sind.”

Im Herzen des Schatzmeisters breitet sich eine große Hoffnung aus. Wenn Jesus auch für ihn das Opferlamm geworden ist und er diesen Heiligen Geist bekommen und mit nach Hause nach Äthiopien nehmen kann, dann will er das haben! Sofort! Dort hinten ist eine Wasserstelle, und er will getauft werden und seine Annahme dieses Opfers bekennen! “Gibt es ein Hindernis, dass ich getauft werde?”  “Glaubst du von ganzem Herzen?” “Ja!” Sie halten an, und Philippus tauft ihn ohne Zögern. Dann nimmt der Geist Gottes den Philippus weg. Er wird auch nicht mehr gebraucht, denn der Schatzmeister ist mit einer tiefen Freude  und Gewissheit erfüllt. Das Problem seiner Schuld ist gelöst, und er hat einen auferstanden Herrn im Himmel und den Heiligen Geist, der ihn leiten wird.

Die Geschichte steht in der Bibel in Apostelgeschichte 8; der Text aus Jesaja, der den Kämmerer beschäftigte, steht in Jesaja 53.

Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Isaiah_53#/media/File:Great_Isaiah_Scroll_Ch53.jpg  Isaiah 53 in the Great Isaiah Scroll, found at Qumran and dated to the 2nd century BCE, public domain

Gelesen: “Messy Grace”–Wie ein Pastor mit homosexuellen Eltern lernte, andere zu lieben, ohne seine Überzeugungen zu opfern

Messy Grace: How a Pastor with Gay Parents Learned to Love Others Without Sacrificing ConvictionCaleb Kaltenbach hat eine recht ungewöhnliche Lebensgeschichte, die ihn dazu gezwungen hat, sich mit der Frage vom Verhältnis von Liebe und Wahrheit in besonderer Weise auseinanderzusetzen. Und er kommt zu dem Schluss: Gottes Gnade schreckt vor unserem Schmutz und unserem Chaos nicht zurück.

Caleb Kaltenbach wurde 1978 geboren. Als er 2 Jahre alt war, ließen seine Eltern sich scheiden. Seine Mutter zog aus und veränderte ihren Lebensstil. Nicht lange danach lernte sie Vera kennen und verliebte sich in sie. Sie waren Lebensgefährtinnen bis zu Veras Tod.

Caleb wurde ein hin- und herreisendes Kind. Ferien und Wochenenden verbrachte er oft mit der Mutter und ihrer Freundin, die ihn in ihren Party-Lifestyle der LGBT-Community voll miteinbezogen. Den Rest der Zeit verbrachte er mit dem eher ruhig und zurückgezogen lebenden Vater. Dass auch sein Vater homosexuell war, sollte er erst viel später erfahren.

Er fühlte sich als Kind immer von seinen Eltern geliebt. Er merkte aber auch mehr und mehr, dass ihr Lebensstil nicht die Norm war, und dass nicht jedermann damit einverstanden war. Bei einer der Paraden, an denen er mit seiner politisch aktiven Mutter und ihrer Freundin teilnahm, standen Leute mit Plakaten am Straßenrand. Die Teilnehmer wurden von ihnen beschimpft und mit Urin beschossen. Als er ganz entsetzt seine Mutter fragte, warum diese Leute das taten, bekam er zur Antwort: “Das sind Christen, und Christen hassen uns.” Christen, lernte er, waren der Feind.

Als er 16 Jahre alt war, schnappte er sich eine Bibel aus dem Bücherregal seines Vaters und beschloss, zu einer Bibelgruppe zu gehen und so zu tun, als sei er Christ. Er würde sich die ganze Information aneignen, um sie dann zu widerlegen. Er kannte ein paar Jungs, die schon mal versucht hatten, ihm was über das Evangelium zu sagen, und der eine hatte ihn zu einem Hausbibelkreis eingeladen. Er sagte also zu und ging dorthin.

Was er dann erlebte, verblüffte ihn. Es war gar nicht so einfach, das Christsein zu spielen! Schon die Gebete waren ganz anders, als er das aus der Kirche kannte, die er gelegentlich mit seinem Vater besucht hatte. Diese Leute hier schienen sich mit Gott persönlich zu unterhalten. Und nachdem er eine Weile dorthin gegangen war, stellte er fest, dass dies nicht das war, gegen das er ausgezogen war. Im Gegenteil: Er wollte so gerne aggressive Fragen stellen, aber dieser Jesus drängte sich mit seiner Liebe immer mehr in sein Herz.

Er begann, die Gottesdienste einer christlichen Gemeinde zu besuchen. Er ging zur Jugendstunde. Er lernte immer mehr. Wenn zuhause das Christentum attackiert wurde, schwieg er einfach. Und er konnte nicht mehr aufhören die Bibel zu lesen. Schließlich wurde ihm klar: Egal, was kam, er wollte diesem Jesus nachfolgen. Gregg, ein Freund, den er um Hilfe bat, erklärte ihm den Heilsplan, und er nahm Jesus an. Dann fragte er: Was ist jetzt der nächste Schritt? Gregg erklärte ihm die Taufe. Er fragte, ob sie das jetzt sofort tun könnten? Er wusste, dass seine Eltern ihn als Verräter sehen würden, aber dass er diesen Weg gehen musste. So ließ er sich ohne weitere Verzögerung taufen. Auf dem Heimweg fragte er seinen Freund: “Was mache ich jetzt mit meiner Mutter und Vera?” und Gregg antwortete: “Du kannst nicht aufhören, sie zu lieben.”

Um es kurz zu machen: Sie nahmen es ihm übel, dass er ihn ihren Augen zum Feind übergelaufen und ein Verräter geworden war, aber schließlich zahlten sie ihm sogar die Bibelschule. Er wurde Pastor. Er liebte seine Familie, aber er predigte auch die Wahrheit, dass Gott die Ehe für Mann und Frau gegeben hat und praktizierte Homosexualität Sünde ist. Vera starb an Krebs und lehnte das Evangelium bis zum Schluss ab. Seine beiden Eltern möchten heute Jesus nachfolgen!

Eingewoben in diese persönliche Geschichte sind viele Gedanken darüber, wie die Gnade Jesu aussieht, wie er ein Freund der Sünder war, ohne die Wahrheit je zu kompromittieren, und wie wir ihm da praktisch nachfolgen können. Er stellt viele Fragen, über die die Gemeinde Jesu nachdenken sollte. Er leugnet die Spannung zwischen Gnade und Wahrheit nicht, aber er will uns am Beispiel Jesu und am Beispiel seines eigenen Lebens zeigen, dass es möglich ist, auch wenn es dabei manchmal chaotisch und verwirrend zugeht, und wir nicht damit rechnen können, dass uns jeder immer versteht – und das auf beiden Seiten.

Auf viele der Fragen, die er stellt, gibt es keine einfachen Antworten – und er gibt auch nicht vor, sie alle zu kennen. Es sind manchmal Fragen, von denen man hofft, dass sie sich uns nie stellen werden, z.B. ob wir einem Mann, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, erlauben würden, an einem Frauenbibelkreis teilzunehmen. Und doch fürchte ich, dass wir uns in den kommenden Jahren mehr und mehr mit solchen Dingen auseinandersetzen müssen, wenn wir auch Menschen aus der LGBT – Community mit dem Evangelium erreichen möchten.

Mein Fazit: Ein lesenswertes Buch! Leider ist es noch nicht ins Deutsche übersetzt. Es gibt Hoffnung, dass Jesus mit den verrücktesten und verwickeltsten Konstellationen zurechtkommt und seine Gnade keine Grenzen und kein “Unmöglich!” kennt.

Heute vor 46 Jahren

Return of the Prodigal Son 1667-1670 Murillo

Bartolomé Esteban Murillo [Public domain], via Wikimedia Commons

kam mir der himmlische Vater entgegengelaufen. Ich hatte mit meinem ganzen Sein gegen ihn rebelliert und war am Ende. Ich bin in seine Arme gefallen und konnte nur sagen: ich habe dir die ganze Zeit ins Gesicht gespuckt, und du hast mich geliebt!

Seitdem bin ich bei ihm zuhause, und immer noch ist er dabei, mir mein Erbe zu zeigen, alles, was er für mich hat in Christus. Ich habe es immer noch nicht ganz ausgelotet! Er lehrt mich die Tischregeln und den Umgangston und die Sitten des Hauses mit großer Geduld. Wie viele Fehler hat er mir immer wieder vergeben! Wie hat er mich immer wieder getröstet und aufgerichtet! Wie hat er nie aufgegeben und mich nie fallen gelassen! Er ist das Urbild aller Vaterschaft.

Vieles hab ich erst später verstanden, z.B. wie das Werk Jesu am Kreuz und diese liebevolle Aufnahme zusammenhängen. Ich muss immer noch viel lernen. Ich brauch immer noch Korrektur. Aber ich bin nicht verzagt, denn ich kenne ihn jetzt! Er hat die Verantwortung für mich übernommen, und er ist alles, was ich brauche.

Und du, wenn du am Ende bist, wenn du nicht mehr ohne ihn leben kannst, wenn du müde und beladen bist, wenn du weißt, dass du verloren bist, dann komm! Er ist voller Barmherzigkeit, und er wartet schon auf dich! Du musst nicht denken: ich kann nie so leben, wie Gott das will. Er weiß das schon, er kennt dich! Er hat alles bereit für dich, und er wird  dein Leben ändern. Du musst ihm nur die Regie übergeben.

Ein frustrierter Prophet und ein unbeirrter Gott (Predigt-Nachlese)

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Predigttext war Jona 1.

Jeder kennt Jona. Die Geschichte von dem Mann, der vom Fisch verschluckt und ausgespuckt wurde, ist ein sehr beliebtes Thema für Kindergottesdienste und Bilderbücher. Aber wie kam Jona in den Fisch?

Jona war einer von mehreren Propheten, die zur Zeit Jerobeams Ⅱin Israel wirkten. Er wird außer in dem nach ihm genannten Buch auch in 2.Könige 14 erwähnt. Hosea, Amos, Micha und Jesaja waren Zeitgenossen.

Er bekommt einen Auftrag von Gott: Mache dich auf und geh nach Ninive! Verkündige das Gericht über sie! Ihre Bosheit ist bis zu mir aufgestiegen!

Ninive war eine große Stadt der Assyrer, und die Assyrer waren Israels Feinde. Ihre unaussprechliche Grausamkeit ist durch ihre eigenen Dokumente historisch belegt. Sie folterten besiegte Feinde auf bestialischste Weise durch Abhacken von Gliedmaßen, durch Pfählen und Häuten bei lebendigem Leib.

In Jonas Augen ist es ein Fehler, diesen Menschen Umkehr zu verkündigen. Er weiß, wenn Gott Gericht androhen lässt, dann weil er will, dass die Sünder sich bekehren und begnadigt werden können. Und Gnade für die Feinde Israels – das kann nicht richtig sein! Und so ist seine – wortlose – Antwort ein klares Nein. Er ist unseres Wissens der einzige Prophet, der das Gott gegenüber je gewagt hat.

Sein Nein kostet ihn einen hohen Preis. Er verlässt seine Heimat, sein Volk, die Verheißungen Gottes, ja, Gott selbst, um nach Tarsis zu gehen. Wenn die Vermutung stimmt, dass Tarsis im heutigen Spanien lag, dann versucht er, über 5000 km zwischen sich und den Auftrag Gottes zu bringen – so sehr war dieser Auftrag ihm ein Gräuel. Er entzog Gott das Vertrauen, und Vertrauensentzug ist immer auch Gehorsamsentzug. Ungehorsam gegen Gott aber ist ein schwieriger Weg. Denn Gott ist unbeirrbar.

Aber er lässt Jona erst mal losziehen. Jona findet ein Schiff. Es funktioniert! Auf dem Schiff schläft er prima. Sein Gewissen scheint ihn nicht zu beunruhigen. Manchmal nehmen wir diese Dinge – innere Ruhe und sich fügende Umstände – als Zeichen dafür, dass wir das Richtige tun. Aber an Jona sehen wir, dass das ein Trugschluss sein kann.

Und nun greift Gott ein. Er wirft einen Sturm auf das Meer, der die erfahrenen Schiffsleute in Panik versetzt, denn sie sehen, dass sie da nicht heil herauskommen werden. Als Heiden rufen sie ihre Götter an. Sie wecken Jona und wollen, dass auch er betet. Aber wie soll Jona beten? Er hat ja Gott den Rücken gekehrt! Die Schiffsleute werfen Lose, um herauszufinden, wer am Zorn der Götter schuld ist, und Gott benutzt ihre heidnische Methode. Jona wird vom Los getroffen. Wenn wir ungehorsam sind, leiden oft nicht nur wir, sondern auch unsere Umgebung.

Die Männer wollen nun wissen, was los ist. Wo kommt Jona her? Welcher Gott ist da im Spiel, und was hat er getan? Nun kann Jona seine Identität nicht verleugnen, die so existentiell mit dem wahren Gott verknüpft ist. Er ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, vor dem er auf der Flucht ist. Wie unlogisch das ist, ist selbst diesen Heiden klar. Sie fürchten sich. Das Meer wird immer stürmischer. Was sollen sie tun? Werft mich ins Meer! sagt Jona. Es liegt an mir.  Er weiß, dass er die Konsequenzen tragen muss.

Den Männern gefällt dieser Gedanke nicht. Sie versuchen, noch härter zu rudern, aber sie kommen gegen das aufgewühlte Meer nicht an. Und nun geschieht etwas Interessantes: Sie beten, und zwar zu Jonas Gott! Sie bitten ihn, es ihnen nicht als Schuld anzurechnen, wenn sie nun vollziehen, was Jona vorgeschlagen hat. Vergessen sind ihre Götter! – Sie tun das Unvermeidliche, und das Meer wird schlagartig ruhig. Der Schöpfer und Herr der Elemente offenbart sich ihnen in dieser Stille, und ehrfürchtig opfern sie ihm und legen Gelübde ab. So dient nach Gottes Ratschluss der Unwillen Jonas der Bekehrung heidnischer Seeleute.

Angst vor Gott oder Gottesfurcht?

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Angst vor Gott zu haben ist die natürliche Kondition des Menschen. Gott und meine Sünde sind nicht kompatibel! Wir können versuchen, das zu ignorieren und zu vergessen, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, ist es ein Hinweis darauf, dass ein tiefer Riss durch die Schöpfung geht. Der Tod ist der Lohn der Sünde.

Es geht aber um mehr als das physische Sterben. Nach dem Tod kommt das Gericht Gottes. Auf unsere Sünde steht eine ewige Strafe. Jesus hat sehr oft von der Hölle gesprochen, von einem Feuer, das nie verlischt, einer ewigen Qual. Er findet es überhaupt nicht abwegig, sich davor zu fürchten:

Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen! Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet! (Lukas 12,4.5)

Es ist also gut und gesund, Gott zu fürchten.

Es gibt allerdings zwei Spielarten der Gottesfurcht. Die eine ist die Angst derer, die Gott Widerstand leisten. Die Dämonen zittern, aber sie beugen sich nicht vor Gott. Auch gottlose Menschen – und ich war einer von ihnen! – haben tief innen Angst vor Gott, aber ihr Stolz lässt es nicht zu, das zuzugeben. Lieber beschließen sie, dass es keinen Gott gibt, und hoffen, ihr Problem so zu lösen. Trotzdem sind sie Gefangene ihrer Todesfurcht. Von dieser Angst will Jesus uns erlösen. Dafür müssen wir unsere Schuld vor ihm zugeben und unseren Trotz und unsere Autonomie fahren lassen. Der Glaube an seinen stellvertretenden Tod und seine Auferstehung nimmt uns dann die Angst vor dem Gericht weg und bringt uns zu Gott in eine Vater-Kind-Beziehung.

Dann entsteht die zweite, positive Variante der Gottesfurcht. Gottes Wesen ändert sich ja kein bisschen, wenn wir uns bekehren. Er ist immer noch der Gott, der die Sünde hasst – auch und gerade im Leben seiner Kinder. Er vergibt uns Sünde gerne und sofort, aber er wird nicht tolerieren, dass wir darin leben, sie lieben und hegen und pflegen.

Als ich aus meiner Verlorenheit zu ihm kam, habe ich diese Furcht kennengelernt. Es ist nicht mehr die Furcht vor der Hölle, aber die Furcht, ihn zu betrüben, zu verunehren und die Beziehung nicht mehr genießen zu können. Und ohne diese Beziehung kann ich nicht mehr sein – sie ist mein ganzes und einziges Glück! Diese Art Gottesfurcht ist ein Produkt der Liebe, die Gott in unsere Herzen gesenkt hat. Sie geht mit Dankbarkeit und Vertrauen und einer tiefen Freude Hand in Hand.

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12, 28.29)